Lösungen aus eigener Hand

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Christiane_BauerBeinahe alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des IMBSE haben es geschafft! Im Rahmen einer zweitägigen Schulung wurde bei uns das Ich-schaffs-Programm „installiert“ (O-Ton Christiane Bauer). Ein Interview zwischen Tür und Angel mit Christiane Bauer von Harald Maaßen.

Christiane Bauer, Trainerin, (Lehr-)Supervisorin und Coach, hat gemeinsam mit Thomas Hegemann das lösungsorientierte Programm "Ich schaffs" für Jugendliche entwickelt.

Frage: Was ist denn das Besondere an „Ich schaffs“, es gibt doch schon so viele brauchbare lösungsorientierte Werkzeuge?


Christiane Bauer: Aus meiner Sicht steht der Spaß im Vordergrund, wir arbeiten im Programm besonders mit der Eigenmotivation der Jugendlichen, entscheidend bei „Ich schaffs“ ist, dass die Jugendlichen konsequent die Ziele selbst formulieren und die Umsetzung in die Hand nehmen. Dabei wird aber auch die Rolle des Helfers mit eingeplant. Dass man Ziele meist nur mit einem helfenden Kontext verwirklichen kann und diesen aktiv miteinbezieht, ist ein besonderes Merkmal von „Ich schaffs“.


F.: Was hat Dich gereizt, das Ich-schaffs-Programm von Ben Furman für die Zielgruppe der Jugendlichen zu verändern?


C. B.: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Jugendliche oft zu kurz kommen, ja, die Kinder, denen wendet man sich noch gerne zu, aber wenn die Jugendlichen an der Schwelle zum Erwachsenwerden stehen, wird’s anstrengend und dann fehlt oft die Unterstützung der Eltern. Dabei ist Erwachsenwerden ganz schön schwierig und man kann gut Hilfe gebrauchen.


F.: Jetzt kennst Du ja ungefähr unsere Arbeit. Wobei kann uns „Ich schaffs“ unterstützen?


ich_schaffsC. B.: Wichtig finde ich die Fokussierung auf die Ressourcen, das muss konsequent betrieben werden. Auch kleinste Fortschritte zu bemerken
und in der Beratung positiv zu kommentieren
sind absolut wichtig. Wenn es euch in der Arbeit gelingt, die Vision der Jugendlichen zu entwickeln und dabei auch den Nutzen für sie herausarbeitet, dann unterstützt das eure Arbeit, aus meiner Sicht, ungemein.


F.: Was spricht eigentlich für 15 Schritte?


C. B.: Ach, die 15 Schritte sind kein Dogma, eher eine Orientierung. Wichtig ist, dass man erkennt, dass die Schritte Sinn machen und logisch aufeinander aufbauen. Ehrenrunden sind aber genauso möglich, wie das Zusammenfassen einzelner Schritte. So würde ich sagen, dass man auch 12 Schritte verantworten kann oder gar auch mal nur 10.


F.: Was ist denn aus Deiner Sicht das Gegenteil von „Ich schaffs“?


C. B.: Es würden die Probleme in den Mittelpunkt gerückt und eine Defizitorientierung würde dominieren, beispielsweise würde man bei einer nicht bestandenen Prüfung fragen, warum die Prüfung nicht bestanden wurde... und am besten noch nachbohren.


F.: Wenn Du an unsere Arbeit denkst, was wären aus Deiner Sicht die drei wichtigsten Elemente, die wir beachten und an denen wir arbeiten müssen?

C. B.: 1. Fragen statt sagen! 2. An der eigenen Haltung arbeiten: vor allem Zutrauen in die Jugendlichen und ihre Fähigkeiten zeigen. 3. Erfolge sichtbar machen.

 

ich_schaffs_149F.: Wenn man „Ich schaffs“ als Schritt einer Entwicklung beobachtet, was wäre dann aus Deiner Sicht der nächste Schritt?


C. B.: Dann wären die Jugendlichen befähigt,
alleine ressourcenorientiert zu arbeiten und
könnten sich gegenseitig besser - auch ohne die Hilfe von Erwachsenen – unterstützen.


F.: Gibt es aus Deiner Sicht Grenzen für den Einsatz von „Ich schaffs“?


C. B.: Die Grenzen sehe ich im Kontext. Wenn der Kontext keine Bedingungen bereithält, die Entwicklung möglich machen, wird’s extrem schwierig. Schwierig wird’s auch dann, wenn noch nicht genügend kognitive Ressourcen vorhanden sind, eigene Ziele zu entwickeln.


F.: Die Jugendlichen, die wir beraten und begleiten, sind ja gleichzeitig unsere Azubis und Ratsuchende. Wie kann aus Deiner Sicht, der Spagat zwischen Kontrolle und Beratung gelingen?


C. B.: Der Spagat kann aus meiner Sicht dann gelingen, wenn es eine Transparenz in der Rolle gibt, also einmal in der Rolle des Ausbilders und einmal in der Rolle des Beraters. So kann ich eine kontrollierende Funktion übernehmen und gleichzeitig eine unterstützende. Beispiel: Ich kann eine Abmahnung wegen Fehlverhalten ausstellen und gleichzeitig Unterstützung bei der Entwicklung eines wünschenswerten Verhaltens anbieten.


F.: Welche Musts und Don'ts fallen Dir ein, wenn Du an die Umsetzung von Ich-schaffs denkst?

C. B.: Daumenregeln: Motivation und Spaß bei den Jugendlichen fördern! Zutrauen und Zuversicht stärken! Für kleinste Fortschritte Komplimente und bei Rückschlägen Mut und machen!

Absolutes Must: Humor!



Literaturempfehlung
Christiane Bauer/Thomas Hegemann, Ich schaffs! – Cool ans Ziel, Das lösungsorientierte Programm für die Arbeit mit Jugendlichen, Carl-Auer Verlag 2008

Ben Furman, ich schaffs!, Spielerisch und praktisch Lösungen mit Kindern finden, Carl-Auer Verlag 2005